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Threads vs. X – Die Revolution der sozialen Medien

Es ist kompliziert. Threads, das ist eigentlich nichts anderes als ein moderner X-Klon, also ein Twitter-Klon, weil X früher einmal Twitter hieß. Der stammt allerdings von Meta, dem Unternehmen hinter Facebook, Instagram und WhatsApp. Um Threads nutzen zu können, brauchen Sie daher zwingend einen Instagram-Account.

Soweit so klar. Doch warum braucht es überhaupt einen X-Klon? Wie entstand das neue soziale Netzwerk und was sind dessen Vorteile? Entsteht hier gerade ein neuer Werbemarkt oder nur eine weitere Bubble in Bezug auf Social Media, die in ein paar Jahren niemand mehr kennt und nutzen möchte?

All diese Fragen gilt es zu klären, dachten wir uns. In dem folgenden Artikel werden wir Ihnen daher mehr über Threads, der X-Alternative aus dem Hause Meta berichten. Ist Threads am Ende vielleicht sogar viel besser als X? Hat das alles Potenzial für die Zukunft oder ist es bereits jetzt zum Scheitern verurteilt? Mal schauen.

Warum konnte Threads in der EU zunächst nicht verwendet werden?

Wer dachte, dass die Sache mit Threads jetzt schon verwirrend genug ist, der hat noch nicht mit Meta über die EU gesprochen. Denn wie bei vielen US-Unternehmen besteht auch Metas Kerngeschäft aus dem Sammeln und Auswerten von Daten, die dann wiederum an Werbetreibende verkauft werden können.

Das mag die EU jedoch nicht so gerne, weshalb Meta die Anmeldung bei Threads innerhalb der EU, also auch in Deutschland, erst einmal verhinderte. Einigen Nutzern gelang die Registrierung über ein VPN und einen US-Server, doch auch das klappte nicht überall.

Innerhalb von Europa gab es Threads somit erst einmal gar nicht und eine Anmeldung war nicht möglich. Inzwischen hat sich das geändert, denn die App kann ganz normal heruntergeladen und installiert werden. Das eigentliche Login erfolgt dann, wie schon erwähnt, mit dem Instagram-Konto. Eine Nutzung ohne Profil ist möglich, jedoch stark beschränkt und somit nicht unbedingt sinnvoll.

Ist die neue Plattform denn nun wirklich genau wie X (Twitter)?

Die erste Hürde war mit der Freischaltung einer EU-Version also bewältigt. Nutzer probierten das Portal daraufhin weltweit auch schnell aus und innerhalb kürzester Zeit konnte Mark Zuckerberg, Chef von Meta, verkünden, dass Threads immerhin 130 Millionen aktive Nutzer vorweisen kann.

Kein Wunder, denn während sich Meta mit Threads als moderne Variante von X entpuppte, werkelte Elon Musk fleißig daran, X weiter zu zerstören. Erst durch die eigenartige Umbenennung von Twitter zu X, dann mit zweifelhaften Aussagen und zu guter Letzt damit, dass er Werbekunden vergraulte und beleidigte. Dann folgten zwielichtige Werbeanzeigen und anschließend kam heraus, dass viele dieser Anzeigen wohl mit gestohlenen Kreditkarten bezahlt wurden. Irgendwie ging einfach alles schief.

Selbst der letzte Hardcore-Nutzer merkte somit, dass X nicht mehr das ist, was es einmal gewesen war und unzählige wanderten ab zu Mastodon, Bluesky oder eben zu Threads von Meta. Die lockten mit genau dem gleichen Feature-Set, modernisierten das angestaubte X aber zugleich und brachten bessere Kontrollen und mehr Funktionalitäten mit.

Am Ende war Threads also kein einfacher X-Klon, sondern eher eine modernere und besser nutzbare Version davon. Wer Twitter und dann X nutzte, fand sich zum einen sofort zurecht, konnte sich zum anderen aber auch über ein paar neue Funktionen und ein zeitgemäßes Erscheinungsbild freuen. Das gefiel den meisten Nutzern ausgezeichnet.

Bleibt Threads tatsächlich dezentral und werbefrei?

Threads ist als Dienst grundsätzlich dezentral angelegt. Meta unterstützt hier das Protokoll ActivityPub, welches unter anderem auch Mastodon verwendet. Auch diese Dezentralität ist etwas, was moderne Netzwerke auszeichnet und zunehmend wichtiger für die Nutzer zu werden scheint. Threads folgt hier also den aktuellsten Trends.

Werbung soll Threads hingegen erst dann bekommen, wenn sich genügend Nutzer auf der Plattform tummeln. Mark Zuckerberg selbst sagte wohl, dass die Monetarisierung von Threads erst dann erfolge, wenn tatsächlich viele Millionen an Nutzern vorhanden sind. Vorher ergibt diese auch wenig Sinn, da Meta in erster Linie Werbung schaltet, die Heerscharen von Nutzern erreichen soll. Zusammen mit Instagram und Facebook gibt es dort eine enorme Reichweite, die durch Threads zudem sinnvoll erweitert werden könnte. Denn während Facebook das klassische soziale Netzwerk ist, bleibt Instagram die Bild- und Video-Plattform, während Threads dann die reine Textebene bedient.

Im Portfolio von Meta ergibt Threads demnach Sinn und der Zeitpunkt der Gründung hätte nicht besser kommen können. Hier hat Elon Musk mit seinen umstrittenen Änderungen an X wirklich dafür gesorgt, dass unzählige Nutzer bereitwillig umgezogen sind und Threads zumindest eine Chance gaben. Eine Chance, die Threads jedoch nie bekommen hätte, wenn X es sich nicht mit Nutzern und Werbekunden verscherzt hätte und in einer Sackgasse steckte.

Können Unternehmen trotzdem schon Werbung schalten?

Da müssen wir Sie enttäuschen. Meta erlaubt es Unternehmen zurzeit nicht, Werbung auf Threads zu schalten oder als Werbetreibender andersartig aktiv zu werden. Wenn Sie mit Ihrem Unternehmen also gerne Werbung im Umkreis von Threads sehen möchten, müssen Sie dafür vorläufig noch auf Instagram und Facebook ausweichen, also auf die anderen Dienste von Meta.

Spannend wird zudem, wie Meta die Werbung zukünftig in Threads integrieren wird. Auf einer textbasierten Plattform fällt Werbung in der Regel schneller und vor allem auch deutlich negativer auf. Sie wird noch weniger gerne gesehen als auf Instagram oder Facebook, die beide voll davon sind und die Nerven der Nutzer damit inzwischen geradezu überstrapazieren.

Bei Threads könnte Meta daher erstmals alternative Werbemethoden einsetzen oder zumindest testen. Reine textbasierte Anzeigen oder auch klassische Abonnements, die Nutzern die Werbefreiheit garantieren. Das hatte Meta bereits in der Vergangenheit versucht, doch der große Erfolg blieb aus. Nur die wenigsten Anwender waren bereit, für die Werbefreiheit tatsächlich Geld zu bezahlen.

Werbung ist derzeit nur in Form der üblichen Social Media Taktiken möglich. Da die Richtlinien von Instagram gelten, ist unter anderem Influencer-Marketing denkbar. Doch dafür muss es erst einmal genügend Influencer geben und Threads befindet sich derzeit noch im Aufbau. Abwarten wäre da vermutlich die bessere Entscheidung, statt jetzt schon unnötig Geld zu verbrennen.

Ist Threads für Unternehmen in Zukunft interessant?

Grundsätzlich gilt natürlich, dass jede neue Plattform erst einmal interessant sein sollte. Auch Threads bildet da keine Ausnahme, denn wo Nutzer sind, da ist auch eine potenzielle Zielgruppe. Allerdings ist die im direkten Vergleich weiterhin eher klein und als rein textbasiertes Portal sind auch potenzielle Werbebotschaften für Unternehmen sehr limitiert.

X und auch vormals Twitter hatte bereits gezeigt, wie schwierig es war, die Plattform gewinnbringend zu monetarisieren. Zu flüchtig blieb der Content, zu gering die Verweildauer, zu hoch war der Anteil an Bots. Für Unternehmen war X daher zwar ein weiterer Kanal, aber dennoch ganz sicher einer der uninteressantesten. Zumal derzeit immer wieder das komplette Ende von Social Media prophezeit wird, woraufhin tatsächlich einige Anzeichen hindeuten, wie der Economist und Zeit Online es sehr schön zusammenfassten.

Sie sollten Threads also, wie alle neuen Entwicklungen, genau im Auge behalten. Unter Metas Hand hat die Plattform das Potenzial, ernst genommen zu werden und zu wachsen. Bislang ist der große Hype aber erst einmal wieder vorbei. Ob der noch einmal wiederkommt oder ob die Nutzer auf lange Sicht bei Threads bleiben, wird sich nun zeigen müssen.

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Chris Wojzechowski

Mein Name ist Chris Wojzechowski und ich habe vor wenigen Jahren meinen Master in Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen studiert. Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der AWARE7 GmbH und ausgebildeter IT-Risk Manager, IT-Grundschutz Praktiker (TÜV) und besitze die Prüfverfahrenskompetenz für § 8a BSIG. Unser Brot und Buttergeschäft ist die Durchführung von Penetrationstests. Wir setzen uns darüber hinaus für ein breites Verständnis für IT-Sicherheit in Europa ein und bieten aus diesem Grund den Großteil unserer Produkte kostenfrei an.