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Positive Fehlerkultur – Wie Fehler die Zusammenarbeit stärken

Fehler gehören, da sind wir uns vermutlich alle einig, zum Leben mit dazu. Es ist unumgänglich, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt Fehler begehen, denn nur durch solche Fehler lernen wir und erhalten wichtige Erkenntnisse. Würden wir keine Fehler begehen, dann würden wir alles bereits perfekt beherrschen und verstehen. Doch das ist nicht möglich. Dass Fehler während der Arbeit auftreten, ist also für sich genommen erst einmal nichts Ungewöhnliches.

Doch so selbstverständlich wie wir es hier darstellen, ist die Sache mit den Fehlern gar nicht. Denn auch wenn jeder sie als unumgänglich und zugehörig zum Leben ansehen sollte, so scheitert es in Unternehmen dann doch sehr regelmäßig an einer etablierten Fehlerkultur. Das ist ein enormes Problem, denn gerade Unternehmen profitieren ungemein von einem korrekten Umgang mit Fehlern. Besteht jedoch gar keine Fehlerkultur, sind nahezu alle Bereiche im Unternehmen massiv negativ beeinträchtigt. 

Welchen Einfluss eine fehlende positive Fehlerkultur hat, möchten wir hier allerdings nur kurz behandeln. Schließlich haben wir dazu bereits einen ausführlichen Artikel in Hinblick auf die Diskussionskultur geschrieben. Dort ging es auch um die mangelnde positive Fehlerkultur in Hinblick auf die Cybersicherheit in Unternehmen. Heute soll es jedoch mal ganz praxisnah um den richtigen Umgang mit Fehlern gehen und welche Methoden dabei helfen.

Diskussionskultur als Grundlage

Wie in unserem anderen Artikel bereits erwähnt, sehen wir eine umfangreich etablierte Diskussionskultur als Grundlage dafür an, dass Fehler im Unternehmen als sehr wertvoll zu betrachten sind. Genau das können sie nämlich sein, wenn der Umgang mit ihnen stimmt und etwas aus ihnen gelernt wird, was dann wiederum bei zukünftigen Problemen oder Schwierigkeiten eingesetzt werden kann.

Fehler sollten daher immer Teil einer Diskussion werden, die jedoch nie zu sehr ins Negative abdriftet. Vielmehr sind Fehler die Grundlage für den Austausch neuer und innovativer Ideen. Aus solchen Gesprächen, in denen jeder Teilnehmer Fehler offen zugeben kann und auch problemlos zu reflektieren versucht, ohne sich dafür schämen zu müssen, kann schlichtweg nur Positives entstehen.

Eine offene und freundliche Diskussionskultur ist daher die Grundlage für die positive Fehlerkultur an sich. Welche Taktiken und Methoden es im Umgang mit Fehlern gibt, darauf gehen wir nun noch einmal genauer ein. Fakt ist jedoch, dass stets die offene Diskussionskultur dafür sorgt, dass eine vertrauensvolle Grundlage geschaffen wird, Fehler zugegeben, zu besprechen und somit entsprechend zu reflektieren. Das ist wichtig, um diese zukünftig zu vermeiden, aber auch eine mögliche Vertuschung zu verhindern. Schauen wir uns mögliche Methoden im Umgang mit Fehlern an.

1. Fehler als Teil der Arbeit betrachten

Fehler sind in Unternehmen keine Seltenheit und daher auch kein Fremdkörper. Führungskräfte sollten somit daran arbeiten, dass Mitarbeiter die Fehler als Teil ihrer Arbeit betrachten. Dabei geht es nicht darum, und das denken viele immer, dass Fehler blind toleriert werden. Es geht vielmehr darum, dass ein Bewusstsein dafür entsteht, dass Fehler nicht verhindert werden können. Wer zu sehr darauf achtet, keine Fehler zu begehen, kommt nicht voran. Wer Fehler akzeptiert, kann diese nutzen, um zu wachsen.

2. Klar kommunizieren und handeln

Fehler sollten in klarer Kommunikation problemlos mitgeteilt werden können. Über Fehler muss ein regelrechter Austausch stattfinden, um gemachte Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem gesamten Prozess entsprechend reflektieren zu können. Klare Kommunikation ist in Unternehmen dabei ebenfalls keine Normalität, sondern oft ein Bereich, indem es sich zu verbessern gilt. 

3. Feedbackkultur schaffen

Programmierer und Kreative kennen sicherlich Feedback-Schleifen oder auch Feedback-Loops. Dabei wird die eigene Arbeit immer wieder den Stakeholdern präsentiert, die daraufhin ihr Feedback hinterlassen, woraufhin erneut an der Sache gearbeitet wird. Fehler sind hier alltäglich und unvermeidbar. Sie werden besprochen, Missverständnisse gemeinsam beseitigt und sofort geht es wieder an die Arbeit. Solch eine Feedbackkultur kann auch in Bezug auf den Umgang mit Fehlern hilfreich sein. Je nach Arbeitsweise und Unternehmensart, könnte es dienlich sein, immer wieder Feedback zu geben, die gemachten Fehler zu besprechen und zukünftige auf diese Weise zu vermeiden. Wenn immer genügend Ansprechpartner mit eigenen Erfahrungen vorhanden sind, kann das einwandfrei funktionieren.

4. Fehlerdokumentation aufbauen

Die Fehlerdokumentation kann Gold wert sein. Hierbei geht es darum, große Fehler entsprechend zu vermerken, zu dokumentieren und die Lehren aus dem ganzen Prozess ebenfalls niederzuschreiben. Auf diese Weise lassen sich Erfahrungen nach einem systematischen Ansatz analysieren und bewerten und potenzielle Fehler, die erneut auftreten könnten, bereits vorab protokolliert verhindern. 

5. Risikobereitschaft durch Fehler

Wenn Ihre Mitarbeiter im Unternehmen Angst davor haben, einen Fehler zu begehen, weil dieser mitunter schlimme Konsequenzen nach sich ziehen kann, Ärger provoziert oder gar eine Kündigung bedeuten könnte, werden sie weniger Risikobereitschaft zeigen. Das wiederum ist ein Problem für Sie, da Sie in Ihrem Unternehmen vermutlich die Innovation vorantreiben wollen. Wer jedoch ständig in der Angst vor Fehlern lebt, ist nicht sonderlich risikobereit. Und wer keine Risiken eingeht, ist auch nicht innovativ. Arbeiterdrohnen benötigen moderne Unternehmen jedoch nicht, sie haben Bedarf an Menschen mit frischen Ideen, neuen Gedanken und fortschrittlichen Umsetzungen. Das geht nur, wenn Fehler kein allzu großes Problem darstellen.

6. Lernorientiertes Arbeiten

Sind Fehler okay, wird damit lernorientiertes Arbeiten gefördert. Was bekommt ein Schüler, der schlecht in Mathematik ist? Eine Ohrfeige oder Nachhilfeunterricht? Warum diese Strategie nicht auch auf Unternehmensbereiche anwenden und diejenigen, die bestimmte Defizite haben, in anderen Bereichen aber toll sind, entsprechende Fortbildungen und Weiterbildungen ermöglichen? Lernorientiertes Arbeiten ist sehr fortschrittlich und fördert die Mitarbeiter in Bereichen, in denen sie defizitär sind, statt sie auf Basis dessen abzuwerten.

7. Feedbackkultur im Team

Schlussendlich bleibt auch die Feedbackkultur im Team bedeutungsvoll. Verbesserungsvorschläge sollten belohnt und Innovationen auch als solche gesehen werden. Im Team muss jeder seinen Wert kennen und Feedback geben dürfen. Auf diese Weise werden Fehler vermieden und es entsteht wieder eine Form der Diskussions- und eben Feedbackkultur, in der es nicht böse ist, wenn gemeinsame Fehler angesprochen und korrigiert werden. Doch genau solch ein Umfeld zu schaffen, ist alles andere als einfach. Deshalb sprechen wir hier auch von Kultur.

Sicherheitsrisiken durch mangelnde positive Fehlerkultur

Fehler können Sicherheitsrisiken hervorbringen, doch gleichzeitig ist es auch ein Sicherheitsrisiko, wenn Mitarbeiter nicht offen über Fehler sprechen dürfen. Wovon sich Stakeholder frei machen sollten, ist die Ansicht, dass nur ein möglichst fehlerfreies Arbeiten gut ist. Das Gegenteil ist der Fall. Wer Fehler begeht, der lernt daraus, wird besser, entwickelt sich weiter, zieht beim nächsten Mal vielleicht schon ganz andere Schlüsse. Mitarbeiter werden auf diese Weise zu absoluten Profis auf ihrem Gebiet, wenn Sie ihnen die Chance dazu geben, sich durch Fehler zu entwickeln.

Handeln Sie jedoch gegenteilig, bleibt nur eine Kultur der Angst bestehen, in der jeder Fehler die Kündigung bedeuten könnte. Einen Fehler zugeben? Niemals! Lieber wird er einem Untergebenen angekreidet oder schnell und heimlich korrigiert. Das Resultat davon ist, dass Fehler zwar weiterhin gemacht werden und existieren, jedoch keinerlei positive Fehlerkultur besteht und niemand etwas aus den Missgeschicken lernen kann.

Eine etablierte und durchdachte positive Fehlerkultur hingegen, stärkt das Vertrauen, fördert die Innovation im Unternehmen und schafft die Grundlage für eine beständige Weiterentwicklung. Wer Fehler begehen darf, geht Risiken ein, die großartige Produkte hervorbringen. Oder aber er lernt dazu und wird in Ihrem Unternehmen zu einer führenden Koryphäe auf seinem Gebiet.

Fördern Sie die positive Fehlerkultur daher, anstatt sie zu verteufeln, und lassen Sie Fehler im besten Sinne zu. Fehler sind dafür da, um aus ihnen zu lernen. Wer etwas lernt, ist morgen schon schlauer und gehört in wenigen Wochen zu den besten. Wer nie etwas lernen darf, bleibt hingegen stehen und entwickelt sich schlichtweg nicht weiter.

Foto des Autors

Chris Wojzechowski

Mein Name ist Chris Wojzechowski und ich habe vor wenigen Jahren meinen Master in Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen studiert. Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der AWARE7 GmbH und ausgebildeter IT-Risk Manager, IT-Grundschutz Praktiker (TÜV) und besitze die Prüfverfahrenskompetenz für § 8a BSIG. Unser Brot und Buttergeschäft ist die Durchführung von Penetrationstests. Wir setzen uns darüber hinaus für ein breites Verständnis für IT-Sicherheit in Europa ein und bieten aus diesem Grund den Großteil unserer Produkte kostenfrei an.